1962-2012 / 50 Jahre „Manfred-Bastan-Wanderpreis“

Im Februar 1962,  somit vor 50 Jahren, ereignete sich an der deutschen Nordseeküste eine der größten Flutkatastrophen der Neuzeit.  Auf dieses verheerende Naturereignis geht auch die Geburtsstunde des„Manfred-Bastan-Wanderpreises“ zurück, wobei natürlich die Frage auftaucht: wer war Manfred Bastan und welches Verhältnis besteht zwischen ihm und  Flutkatastrophe des Jahres 1962.

Manfred Bastan, geboren im Mai 1940, war aktiver Schwimmer der SSF Hamborn 07/38 bzw. des Vorgängervereins SV Hamborn 38. Durch seine sportlichen Erfolge, er war im Jahre 1958 der erste Jugendschwimmer des Bezirkes Ruhrgebiet im WSV (jetzt SV NRW) der die Minutengrenze über 100 m Kraul (heute Freistil) unterbot und darüber hinaus Medaillen bei den Bezirks- und Westdeutschen Jugendmeister-schaften erringen konnte. Bei seinen Mannschaftskameraden war der immer freundlich auftretende Schwimmer nicht nur wegen seiner sportlichen Leistungen äußerst beliebt. Nach seiner Schulzeit absolvierte er bei der August-Thyssen-Hütte AG (heute Thyssen-Krupp-Steel AG) eine technische Ausbildung in der Hamborner Lehrwerkstatt bevor er als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr eingezogen wurde. Unmittelbar vor seiner Einberufung zur Bundeswehr heiratete er seine Mannschafts-kameradin Erika Böhmer, die auch einen hervorragenden Namen im Schwimmsport hatte; denn sie war in den Jahren 1956 und 1957 jeweils Westdeutsche Meisterin über 100 m Rücken.

Die Beantwortung warum wurde der „Manfred-Bastan-Wanderpreis“ ins Leben gerufen liegt in seiner Bundeswehrzugehörigkeit begründet, wobei die folgenden Schilderungen auf den Berichten seines damaligen Bundeswehrkameraden Klaus-J. B. und des offiziellen Bundeswehr-Vernehmungs-Protokolls über die damaligen Ereignisse beruhen:

Die Bundeswehr-Einheit, der auch Manfred Bastan angehörte, war in Lingen/Ems stationiert und wurde, da in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 im Bereich des Ortes Westoverledingen/Völlen der Deich der Ems gebrochen war, in den frühen Morgenstunden des 17. Februar zu einem Rettungseinsatz eingeteilt. Dabei galt es Kinder aus einem vom Einsturz bedrohten Haus zu retten. Nachdem bereits zwei Kinder gerettet waren, versuchte eine Gruppe mit einem Schlauchboot (lt. Aussagen des Kameraden Klaus-J. B. der mit Manfred  im gleichen Boot saß) von einer anderen Seite das Haus zu erreichen. Dies gelang nicht, worauf von einem Leutnant die Frage gestellt wurde: wer meldet sich freiwillig um schwimmend das Haus zu erreichen. Manfred Bastan meldete sich, wurde angeseilt und näherte sich dem Haus. Nachdem bereits einmal das Seil nachgelassen werden mußte, verschwand Manfred in der starken Strömung unter Wasser und konnte trotz aller Zugbemühungen der übrigen Schlauchboot-Besatzung nicht zum Boot zurückgeholt werden. Aufgrund der äußerst schwierigen Verhältnisse mußten nach einiger Zeit die Rettungsversuche abgebrochen werden, d.h. wahrscheinlich ist Manfred  unter Wasser an einem Hindernis (Hecke, Zaun oder gar Elektroleitung) hängen geblieben und konnte erst wesentlich später nur noch tot geborgen werden. 

Nach uns, d.h. den SSF Hamborn 07/38, vorliegenden Infomationen ist somit Manfred Bastan der einzige Hamborner Bürger  - wenn nicht sogar der einzige Duisburger - der bei dieser Flutkatastrophe sein Leben lassen mußte.

Im übrigen sind die tragischen Ereignisse aus dem Februar 1962 im Ort Westoverledingen/Völlen in dem Buch „Die Sturmflut“ (Autor: Hans Herlin, ISBN 3-8225-0056-9, Kapitel „Die Glocken von Völlen“) ausführlich nachzulesen. Wenn auch, nach Aussage des damaligen Bundeswehrsoldaten Klaus-J.  B. die Schilderung etwas dichterisch ausgestaltet und die Namen der Beteiligten (u.a. Bastan = Bahstan) geringfügig verändert wurden. 

Die SSF Hamborn 07/38 reagierten damals spontan und wollten die Erinnerung an das so tragisch ums Leben gekommene Vereinsmitglied aufrecht erhalten. Dabei entstand die Idee eines Wanderpreises. Um diesen auch in einer entsprechend würdigen Form zu präsentieren wurde Kontakt mit der August-Thyssen-Hütte AG  aufgenommen. Dort stieß man erfreulicherweise direkt auf offene Ohren. Daraus ergab sich, dass die Beschäftigten der Hamborner Lehrwerkstatt – dem Ausbildungsort von Manfred Bastan – einen nicht nur repräsentativen sondern auch wertvollen großen Kupferteller gestalteteten, der nun seit der erstmaligen Verleihung im Jahre 1963 als „Manfred-Bastan-Wanderpreis“ im Umlauf ist. Nach den Vorgaben der SSF Hamborn 07/38 wird er jährlich dem schnellsten Jugendschwimmer über 100 m Kraul (heute Freistil) des Bezirkes Ruhrgebiet im Westdeutschen Schwimmverband  (heute Schwimmverband NRW) verliehen. 

Wenn man sich einmal die Siegerliste des „Manfred-Bastan-Wanderpreises“ aufmerksam betrachtet, dann kann mit Fug und Recht davon gesprochen werden, dass für zahlreiche Spitzenschwimmer die die Vereine des Bezirks Ruhrgebiet hervorgebracht haben, der Gewinn dieses wertvollen Wanderpreises das Sprungbrett für eine sportlich erfolgreiche Karriere war, die nicht zuletzt im Gewinn von nationalen Titeln und der Teilnahme an den internationalen Ereignissen wie Olympische Spiele und Weltmeisterschaften gipfelte. Besonders zu erwähnen ist Dr. Klaus Steinbach, der nicht nur als Athlet an Olympischen Spielen und  Weltmeisterschaften teilnahm, sondern auch von 2002 bis 2006 Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland war.  Darüber hinaus konnten sich noch folgende Gewinner des „Manfred-Bastan-Wanderpreises“ für Olympische Spiele und/oder Weltmeisterschaften qualifizieren: Wolfgang Kremer (1963 der erste Gewinner des Wanderpreises), Peter Schorning , Christian Kellerund Frank Wennmann . 

Bleibt zu hoffen, dass dem von der August-Thyssen-Hütte AG und denSSF Hamborn 07/38 zum Gedenken an den beim Rettungseinsatz anläßlich der Flutkatastrophe im Februar 1962 ums Leben gekommenenManfred Bastan gestifteten „Manfred-Bastan-Wanderpreis“ noch eine lange Laufzeit beschieden ist und er für junge Schwimmer des Bezirks Ruhrgebiet nicht nur Anreiz sondern auch die erste Stufe in eine erfolgreiche Sportler-Laufbahn sein möge.

DU-Hamborn, im Februar 2012                      SSF Hamborn 07/38 e.V.      

                                                                                       Dieter Bossmann